Ein Meilenstein hin zur Klimaneutralität: Freiflächen-PV an den Bertholdshöfen

Viele kleine und große Schritte sind nötig, um unser gemeinsames Ziel Klimaneutralität für Villingen-Schwenningen zu erreichen. Ein großer Schritt auf dem Weg zur Grünen Null ist die geplante PV-Freiflächenanlage im Zentralbereich. Hier soll grüner Strom Made in VS erzeugt werden, der genug Energie für rund 9.000 Einfamilienhäuser liefern wird. Die SVS investiert rund 25 Millionen Euro. Wir haben für Sie die wichtigsten Fakten zu diesem Leuchtturmprojekt im Überblick.

Auf einer Gesamtfläche von rund 30 Hektar entsteht im Bereich der Bertholdshöfe in den kommenden Jahren eine große PV-Freiflächenanlage. Die Investitionen für die Anlage, die 30 MWp erzeugen soll, liegen bei rund 25 Millionen Euro. Damit könnten rund 9.000 Einfamilienhäuser mit regenerativer und vor Ort erzeugter Energie mit Strom versorgt werden.

Warum ist dieses Projekt so wichtig und wurden Alternativen geprüft?

Auf dem Weg zur Grünen Null und damit zur Klimaneutralität in unserer Stadt bedarf es nicht nur einer Kraftanstrengung aller Beteiligten, vielmehr brauchen wir größere Projekte wie die angedachte PV-Freifläche im Zentralbereich. Im Vorfeld des Projektes an den Bertholdshöfen wurden auch mögliche Alternativen auf die Wirtschaftlichkeit geprüft. Hält man sich Investitionssummen vor Augen, so relativieren sich schnell mögliche Alternativen.

  • Alternative 1 – Dächer von städtischen Gebäuden:

    Die Stadt und die Stadtwerke Villingen-Schwenningen GmbH haben in den vergangenen Jahren bereits elf städtische Dächer mit PV-Anlagen belegt. Neben Schulen und Kindergarten in Villingen-Schwenningen und den angeschlossenen Ortschaften, wurden PV-Anlagen auf dem Gebäude der TDVS und der Neckarhalle erfolgreich installiert.

Zusammengenommen konnten so innerhalb kurzer Zeit Anlagen in einer Größenordnung von rund 500 kWp realisiert werden. 2024 werden wir weitere sieben Dächer mit insgesamt 310 kWp belegen. Würde man als Alternative zur geplanten PV-Freiflächenanlage an den Bertholdshöfen ausschließlich auf städtische Dächer setzen, so wären theoretisch rund 900 Dachflächen nötig, um den PV-Strom von 30 MWp zu erzeugen. In den Investitionen sind die möglichen baulichen Maßnahmen, die vor der Installation der Anlagen durchgeführt werden müssten, nicht eingerechnet.

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Alternative 2 Überdachte Parkplätze:

Auch diese Alternative wurde simuliert, denn genau wie Alternative 1 bleibt es fraglich, ob genügend Parkplätze im Stadtgebiet überhaupt zur Verfügung stehen. Auch die in Alternative 1 erwähnten 900 städtischen Dächer sind eine rein theoretische Annahme. Rund 10.800 Parkplätze werden benötigt, die zuerst überdacht werden müssen. Anschließend werden auf den Dächern die PV-Anlagen installiert. Die Investitionen würden sich in diesem Beispiel mehr als vervierfachen.

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Versorgung von 9.000 Einfamilienhäuser

PV-Strom: 30 MWp (rund 30 ha)

30 MWp – Wieviel Strom ist das überhaupt?

Der erzeugte Strom bei den Bertholdshöfen liefert jede Menge Strom: klimaneutral und regional.

Unsere Grafik liefert Ihnen vier Beispiele

Mit der PV-Freiflächenanlage wird genug Strom für 9.000 Einfamilienhäuser oder 18.000 Wohnungen  erzeugt. Jährlich könnten knapp 10.000 E-Fahrzeuge umweltschonend geladen werden. Das reicht für 150 Millionen Kilometer, die absolut klimaneutral zurückgelegt werden können. 3.000 Wärmepumpen könnten mit dieser Strommenge bei Ihnen zuhause grüne Wärme erzeugen.

Zitat_Gregor.Gülpen

FAQ zum Projekt Bertholdshöfe

1. Ist man auf die 20 Hektar der Landwirte zwingend angewiesen, oder wäre der Solarpark auch auf einer Fläche von 30 Hektar realisierbar?

Je mehr Fläche zur Verfügung steht, desto besser kann auf die Bedürfnisse einzelner Interessensgruppen eingegangen werden. Die Grafik veranschaulicht hierbei sehr gut die Vorgehensweise in diesem Gebiet. Ursprünglich wurde hier ein Suchraum mit einer potentiellen Fläche für 70 MWp in Betracht gezogen. Die Vogelschutzgebiete wurden berücksichtigt und entsprechende Ausgleichsflächen für den Artenschutz ermöglicht. Je kleiner die Fläche ist, desto dichter muss die Fläche aus wirtschaftlichen Gründen belegt und Ausgleichsflächen außerhalb der Anlage geschaffen werden.

2. Welche Kompromisslösungen gibt es zwischen den Interessen der Landwirte und der SVS – Stichwort hybride Nutzung mit Solarpanel und Weidefläche?

Die Rückmeldung der Landwirte, die eine Hybridlösung vorsieht, ist in diesem Bereich nicht positiv und kommt daher als Kompromisslösung nicht in Frage. Die Landwirte betreiben in diesem Bereich entweder keine Tierhaltung mehr, oder es werden Milchkühe und Rinder gehalten. Diese Tiere kommen für eine Hybridnutzung nicht in Frage. Die bestehenden Flächen an den Bertholdshöfen werden als Mäh- und Ackerflächen betrieben und nicht als Viehweiden genutzt. Zur Beweidung von Solaranlagen kommen beispielsweise Schafe in Frage.

3. Warum ist der Solarpark für die SVS ein wichtiges Projekt – was würde es für die Energieversorgung der Stadt bedeuten?

Die SVS hat sich als Ziel gesetzt, die Stadt Villingen-Schwenningen auf Ihrem Weg zur Klimaneutralität zu unterstützen. (Klimanotstand: Beschluss des Gemeinderats 2019, Beitritt zum Klimaschutzpakt des Landes Baden-Württemberg)

Mit unserer Initiative zur Klimaneutralität und unserem Weg der Grünen Null brauchen wir viele kleine Mosaiksteinchen, aber auch große Projekte, um dieses gemeinsame Ziel erreichen zu können. Der Solarpark an den Bertholdshöfen ist ein wichtiges Projekt auf diesem Weg, da wir als SVS die regenerative Erzeugung deutlich erhöhen wollen. Mit unseren Projekten bei PV-Dachanlagen verbessern wir die Klimabilanz einzelner Gebäude, mit einer Freiflächenanlage könnten wir jedoch einen großen und wichtigen Schritt machen. Mit diesem Projekt könnten mehrere hundert Dächer von Einfamilienhäusern (100 Dächer pro MWp) kompensiert werden. Aus Sicht der Versorgung, würde bei einer 30 MWp Anlage eine Strommenge in der Größenordnung des Verbrauchs von zirka 9000 Einfamilienhäusern erzeugt werden.

4. Wie ist der aktuelle Zeitplan für das Projekt?

Der erste Schritt zum Genehmigungsverfahren wurde mit der Entscheidung des Technischen Ausschusses in der jüngsten Vergangenheit gegangen. Nun folgen die weiteren Genehmigungsschritte über die Stadt und den Gemeinderat. Nach derzeitigem Stand werden noch Artenschutzgutachten erstellt, das in die weiteren Planungen mit einbezogen werden. Die Verfahren werden 2025 voraussichtlich zum Abschluss gebracht werden können, sodass in den darauf folgenden Jahren mit dem Bau begonnen werden kann.

5. Besteht die Gefahr der Enteignung der Eigentümer?

Dies kann definitiv verneint werden. Eine Enteignung, um dieses Projekt zu realisieren wird es nicht geben und kann ausgeschlossen werden. Fakt ist, dass die Energiewende nur gemeinsam geht. Daher respektieren wir die Vorbehalte der IG Bertholdshöfe gegen den geplanten Solarpark und sind weiterhin bestrebt, den konstruktiven Austausch beizubehalten, um zu einer gemeinschaftlichen Lösung zu gelangen. Es wird auch kein Kauf der betroffenen Grundstücke angestrebt, vielmehr soll hier ein Pachtverhältnis mit den Eigentümern eingegangen werden. Dieses Pachtverhältnis bewegt sich in einem Rahmen von bis zu 3.500 Euro pro Hektar und Jahr, sodass der Eigentümer finanziell durchaus profitiert.

6. Auch die Modellfluggruppe Villingen-Schwenningen wäre hier betroffen. Welche Lösungen werden hier angestrebt?

Mit der Modellfluggruppe Villingen-Schwenningen wurde ebenfalls der Dialog gesucht und bei einem Termin vor Ort die Gegebenheiten begutachtet und nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht. Auch in diesem Fall soll eine Koexistenz ermöglicht und eine Ausgleichsfläche zur Verfügung gestellt werden.

7. Um welche Fläche handelt es sich in diesem Bereich?

Gesamtheitlich betrachtet gibt es in diesem Bereich eine Gesamtfläche des Naherholungsgebietes von über 200 Hektar. Der betroffene Bereich, die in Frage kommenden 30 Hektar, entspricht daher nur rund 15 Prozent der Gesamtfläche. 85 Prozent können hier erhalten bleiben.